Computer-Operator

Männer am Marktstand, MotorradTrotz Kinderlähmung steht Ganesh heute auf „eigenen Beinen“

Vielleicht lauerten sie in den Latrinen des Slums, in dem er zur Welt kam. Oder sie hafteten an dreckigen Händen, die ihm übers Gesicht strichen. Ganesh war gerade sechs Monate alt, als er sich mit Polio-Viren infizierte. Kinderlähmung! Er überlebte, aber beide Beine sind deformiert. Mit Hilfe unseres indischen Partners AMG konnte Ganesh den Teufelskreis aus Ausgrenzung, Abhängigkeit und Leid durchbrechen. Eine Erfolgsgeschichte, zu der wortundtat einen Beitrag leisten konnte.

Rückblick: Die Familie ist bitterarm. Als Handlanger am Bau verdient sein Vater nicht genug zum Leben. Ponnamanda Ganesh Babu – kurz: Ganesh – ist das älteste von drei Kindern. Er kommt nur kriechend oder auf einem Rollbrett voran. Manchmal sitzt er auf dem blanken Boden und wartet, bis ihn jemand wegträgt.

Noch vor 30 Jahren steckten sich in Indien jedes Jahr 200.000 Kinder mit Polio an. Flächendeckende Impfungen rotteten das Virus schließlich aus. Die überlebenden Opfer gehören heute zum Straßenbild auch im Bundesstaat Andhra Pradesh.

„Kinder wie ich“

Ganeshs Eltern können weder lesen noch schreiben. Doch sie wissen: Bildung ist ein Weg aus der Armut. „Eines Tages empfiehlt ein Pastor meiner Mutter eine Schule, in der auch Kinder wie ich lernen durften“, erzählt der 2019 Ende 30-Jährige. Ist das für den gelähmten Jungen die Chance auf eine bessere Zukunft? Die Mutter ergreift sie. Sie hebt den etwa sechsjährigen Ganesh auf den Arm und bringt ihn zum „Abode of Hope“ – dem Heim der Hoffnung unseres indischen Partners AMG. Sein erster Schultag ist auch der Einzug in ein neues Zuhause. Der Ort ist nur eine von vielen Bildungseinrichtungen von AMG in Andhra Pradesh. „Es gab einige Kinder in meiner Klasse, die so waren wie ich“, erinnert sich Ganesh. „Doch ob gesund oder nicht: Jeder half jedem.“ Die Mitarbeiter von AMG vermitteln christliche Werte. Gott liebt jeden Menschen. Jeder ist wertvoll! Ganesh fühlt sich wohl. Die Zimmer sind sauber, die Toiletten geputzt. Auf 20 Kinder mit Handicap kommt ein extra Helfer.

Selbstbestimmt leben

Ganesh wächst zu einem freundlichen und willensstarken Mann heran. Er belegt bei AMG berufsbildende Kurse und erhält einen „Master of Commerce“ von der Universität Andhra Pradesh. Heute bestimmt nicht das Handicap sein Leben. Dank AMG weiß er: „Ich kann selbstbestimmt leben. Das war mein größter Wunsch. wortundtat hat bereits vielen Kindern wie Ganesh geholfen, „auf eigenen Beinen zu stehen“. Heute arbeitet er in der Verwaltung des Ruth Deichmann Hospitals in Visakhapatnam als Computer-Operator. Seinen Eltern schickt er einen Teil seines Gehaltes. Von den drei Kindern ist nur Ganesh dazu in der Lage. Der behinderte Sohn ist die Überlebensstütze seiner Eltern: Das ist ungewöhnlich in Indien. Das macht ihn stolz.

„Ich will in den Himmel“

Natürlich braucht er ab und an jemanden, der ihm hilft oder – über die Schultern gelegt – ihn trägt. Doch er hat Freunde. Denen erzählt er auch von Jesus. „Ich glaube an Gott, weil es einfach richtig ist!“, sagt er. „Ich will in den Himmel kommen.“ Vor fünf Jahren ließ er sich taufen.

Was er im Gespräch unbedingt loswerden möchte: „Ihr habt euch um mich gekümmert! Die meisten Menschen wie ich sind lebenslang auf ihre Eltern angewiesen. Dank AMG kann ich vieles alleine tun. Ich lebe ein Leben in Unabhängigkeit und Würde. Ich bin froh, dass ich hierhergekommen bin.“